Warum ich nur wenig Pansen füttere und warum du es mir gleich tun solltest

Wenn wir vom BARFEN sprechen, meinen wir zumeist das Beutetierkonzept in dem alle Bestandteile eines Beutetieres mit verfüttert werden. Vorbild ist hier natürlich, wie immer, der Wolf.

Nun bauen wir für unseren Hund also fein das Beutetier nach und nutzen Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Knorpel und natürlich Pansen und Blättermagen.

Soweit so gut. Was mir jedoch schon ziemlich lange missfällt ist die Ansicht von Pansen und Blättermagen, die manche Barfer teilen. Beide Mägen der Wiederkäuer werden gehuldigt und für bombastisch gut befunden. Es ist nicht so, dass Pansen und Blättermagen nix kann – also bezogen auf die Gesunderhaltung deines Hundes- und ich bin auch voll bei dir, wenn dein Hund Pansen liebt und du diesen füttern möchtest!

Aber satteln wir das Pferd (oder die Kuh…höhö) doch mal von hinten auf.

Wenn wir an Kühe denken, was erscheint dir sofort vor deinem inneren Auge?

Jau, bei mir auch. Die “Heidi- grüne” Wiese voller Gräser und Kräuter, irgendwo an der Alm, mit glücklich grasenden Kühen.

Jetzt denken wir nochmal realistisch und dann erscheint ein Bild von was?

Genau, einem Mastbetrieb oder Milchbetrieb in dem die Kühe auf Holzbrettern stehen und mit der Schnute in der Silage, Heulage oder dem genmantipulierten Soja hängen.

(du meinst, ich rede Blödsinn? Dann schau hier: https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft-gentechnik/gentechnik-futtermitteln/milch-ohne-gentechnik)

So. Und nun? Was wird dir immer wieder von allen Seiten eingetrichtert?

Genau, der Pansen gehört “grün” gefüttert. Also mit einem Teil des Mageninhaltes noch drinnen. Das Wort “grün” ist bei der Aussage ja schon mal Schmu, wenn wir “grün” mit Gräsern, Kräutern und Co. assoziieren.

Wenn wir also Pansen füttern, der aus industrieller Fertigung (hört sich doof an aber ist leider die Realität) kommt, können wir den Mageninhalt schon mal vergessen. Es ist zumindest nichts wertvolles mehr drin.

Tipp: Nachträglich kannst du den Inhalt des Pansens mit frischen oder getrockneten Kräutern sehr schön aufwerten. Ich nutze dazu gerne DIESES Produkt von Per Naturam.

Was die Kuh jedoch als Pflanzenfresser und besonders als Wiederkäuer vorweisen kann, ist eine Vielzahl an Enzymen, Bakterien und Einzellern.

Hier finden wir BARFER vor allem die Enzyme und die Bakterien toll!

Die Enzyme sorgen dafür, dass die stärkehaltige Nahrung der Kuh so aufgespalten wird, dass die Nährstoffe auch für deinen Hund aufnehmbar sind. Wir erinnern uns, der Hund ist ein Fleischfresser und ihm fehlt das Enzym Amilase zur Aufspaltung von Stärke fast gänzlich.

Die Bakterien sorgen bei Wiederkäuern für eine weitere “Zersetzung” des Futters in kleinste aufnehmbare Stoffe – deswegen hat so ein Rindvieh auch mehrere Mägen, die je mit wertvollen und schwer arbeitenden Bakterien besiedelt sind. So wird dann die Celullose aufgespalten und die Nährstoffe können von der Kuh, bzw. deinem Hund aufgenommen werden.

Eigentlich doch alles super, oder?

Ja, jein… das was mich wirklich stört ist, dass dabei nicht darüber nachgedacht wird, welche Schwerstarbeit es für den Verdauungstrakt deines Hundes bedeutet, wenn er Pansen in großen Mengen bekommt.

Der Pansen vom Rind besteht, neben einem kleinen Teil glatter Muskulatur vornehmlich aus Bindegewebe. Bindegewebe wird physiologisch nur im Dickdarm durch bakterielle Verdauung verdaut. Bei bakterieller Verdauung entstehen so genannte “Stoffwechselnebenprodukte” , in diesem Fall Ammoniak. Dieses Nebenprodukt des Stoffwechsels muss nun den Hund auch irgendwie wieder verlassen und das passiert über die normale “Entgiftung” über Leber und Niere.

Auch das ist nicht schlimm, wenn es kleine Mengen sind. Bei größeren Mengen fordern wir Leber und Niere ungemein.

Es gibt also Pro und Contra im Bezug auf die Fütterung mit Pansen- so wie bei fast Allem.

Ich sehe es als unproblematisch an, wenn dein Hund einen Anteil seiner Ration (15-20%) an Pansen bekommt. Allerdings sehe ich es auch unproblematisch, wenn er keinen bekommt.

Einige Hunde reagieren mit Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auf Pansen, da sie mit der bakteriellen Verdauung Probleme haben. Bei Hunden mit Leber oder Nierenproblemen wäre ich bei der Fütterung von Pansen und Blättermagen besonders wachsam. Anderen Hunden kann die Fütterung von Pansen gut tun.

Wenn dein Hund Bauchschmerzen und Durchfall hat, dann helfen meine Notfall- Rezepte!

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Eine lange Zeit ausschließlich Pansen zu füttern kann ich jedoch nicht empfehlen. Weder im Hinblick auf die Versorgung, noch in Hinblick auf die Darmflora- Sanierung. Für beides gibt es schönere und vor allem effektivere Varianten.

Einmal runter gebrochen auf eine Pro und Contra- Liste sähe es so aus:

Pro Pansen:

– schmeckt verdammt gut – sagen die Hunde

– der Inhalt ist hochverdaulich (Enzyme und Bakterien haben die Arbeit getan)

– wirkt probiotisch, wir führen ja Bakterien zu

Contra Pansen:

– der Pansen an sich ist schwer verdaulich (Bindegewebe)

– bei der Verdauung entsteht u.a. Ammoniak

– der Panseninhalt ist minderwertig, insofern kein Freilandvieh (Stichwort: Heidi grüne Wiese)

– Allergiker können auch auf die Eiweisstrukturen aus dem Panseninhalt reagieren (Heulage / Mais etc.)

Wie du also in der Liste sehen kannst, hält es sich ungefähr die Waage.

Du solltest dir bewusst machen, warum du Pansen füttern möchtest. Ist es wegen dem Beutetierprinzip des Barfens oder ist es, weil es deinem Hund so gut schmeckt? Dann füttere nicht mehr als 20% von der Ration

Alles was mehr als 20% Pansen beinhaltet sollte gut durchdacht sein.

Wie immer freue ich mich auf ein Feedback von dir :-)

Liebe Grüße

Steffi

PS: Ja, Pansen stinkt! Man kann den Geruch mit Kuhstall oder Kuhfladen vergleichen. Solltest du Pansen füttern der so stinkt, dass du die Wohnung danach komplett durchlüften musst, dann mach dir Gedanken über deine Bezugsquelle. Pansen von 1A Qualität riecht tatsächlich “nur” nach Kuhstall.

Stefanie Werner ist Ernährungstherapeutin für Hunde und befasst sich seit 2009 intensiv mit der naturnahen Fütterung von Hunden. Sie hilft in ihrer Ernährungsberatung Hundehaltern dabei die beste Fütterungsmethoden für ihren Hund zu ermitteln.

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